Zehn Jahre Kita Riederfüchse – Beziehungsarbeit im Fokus
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Ein wertschätzendes Miteinander und den Fokus auf Beziehungsarbeit: Das sind zentrale Leitlinien in der Arbeit der Kita Riederfüchse. Jetzt konnte die Einrichtung im Stadtteil Riederwald, in der 93 Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Ende der Grundschulzeit betreut und begleitet werden, ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Das machten die Riederfüchse ausgiebig mit einem fröhlichen Sommerfest. Ein Anlass, der mit vielen liebevollen Details, kreativen Aktionen und bewegenden Momenten begangen wurde.
Im Flur der Riederfüchse im Erdgeschoss zwischen dem Krabbelstuben- und dem Kindergartenbereich hängen drei Bäume. Nein, natürlich nicht in echt. Aber gemalt auf einer gut und gerne zweieinhalb Meter langen Leinwand. Es sind kräftige Baumstämme, mit einer stattlichen Krone und viele starken Ästen. An diesen hängen statt Blätter bunte Fingerabdrücke. Die haben die Riederfüchse-Kinder auf dem einprägsamen Bild hinterlassen. Auf der Geburtstagsparty hatten die Kinder mit den Gästen zusammen das große Gemeinschaftsbild gestaltet, das jetzt im Flur hängt und „ein Symbol für Zusammenhalt und die Vielfalt unserer Kita-Gemeinschaft ist“, betont Michelle Schröder, die seit sieben Jahren die Einrichtung leitet. Die starken Bäume sind zudem ein Sinnbild für einen zentralen Ansatz in der Arbeit mit den Kindern. „Beziehungsarbeit ist uns sehr wichtig und steht bei uns im Fokus. Denn wir möchten resiliente Kinder hervorbringen, um in dieser superdiversen Zeit zurecht zu kommen, mit Konflikten und schwierigen Situationen besser umzugehen und diese als Chance zur persönlichen Entwicklung zu nutzen“, betont Schröder.
Kennzeichnend für den kleinen Stadtteil Riederwald mit gerade mal 5000 Einwohnenden, der 1910 als Arbeitersiedlung gegründet wurde und sich bis heute durch seine nahezu unveränderte Siedlungsarchitektur auszeichnet, ist seine Insellage: im Norden der Erlenbruch mit zentraler Verkehrsachse, im Westen das kleine Waldstück und die Autobahn, im Süden die Bahnstrecke und im Osten das Gewerbegebiet. „Man kommt schlecht rein und schlecht raus“, sagt Michelle lachend: „Aber das hat schon etwas sehr Bindendes.“ Und etwas sehr Prägendes: Wer im Riederwald aufgewachsen ist, bleibt ihm oft ein Leben lang eng verbunden. „Hier kennt jeder jeden. Es ist ein sehr familienorientierter Stadtteil“, betont die Leiterin. Zugleich ist der Riederwald durch eine große Vielfalt geprägt, in all seinen Facetten. Manche Kinder wachsen mit ihren Geschwistern in engen Wohnverhältnissen heran, andere wiederum in den kleinen Reihenhäusern mit oder ohne Geschwister.
Das gut 20-köpfige Riederfüchse-Team „nimmt die Kinder so an wie sie sind. Das nehmen die Kinder wahr. Kinder erleben Menschen in ihrer Vielfalt jeden Tag und überall. Bei uns erfahren sie, dass Vielfalt anerkannt ist und gleichzeitig bereichert. Das stärkt sie, auch um mit den Herausforderungen unserer Gesellschaft und unserer Welt umgehen zu können. Wir geben ihnen Sicherheit und Geborgenheit“, beschreibt Michelle Schröder. Ebenso spiegelt das multiprofessionelle Team die Vielfalt wider: „Wir sind unterschiedlichen Alters, unsere Biografien unterscheiden sich, und wir kommen aus unterschiedlichen Nationen. Aber gemeinsam leben wir ein wertschätzendes und respektvolles Miteinander. Diese Vielfalt bereichert unsere Arbeit und ist wichtig für unsere Familien, die sich in dieser wiederfinden“, so Schröder. Entsprechend nachgefragt sind auch die Betreuungsplätze der Riederfüchse: heute wie vor zehn Jahren. „Vor allem unsere Hortplätze sind sehr begehrt. Da feiern manche Familien eine Party, wenn sie eine Zusage haben“, sagt Michelle lachend. Zugleich arbeitet die Kita eng mit der zuständigen Grundschule – die Pestalozzischule – und dem Kinder- und Jugendhaus Riederwald zusammen und ermuntert ihre Hortkinder, wenn sie die Kita nach Ende ihrer Grundschulzeit verlassen, dort eine neue „Heimat“ nach Unterrichtsschluss und in der Freizeit zu finden.
Ausgiebig nutzen die Riederfüchse die grünen Seiten ihres Stadtteils: das Licht- und Luftbad und den berühmten Abenteuerspielplatz Riederwald. Nur wenige Minuten zu Fuß von der Kita entfernt. Trotzdem sind für die Kleinen im Kindergartenalter manche Angebote im Riederwald nur limitiert vorhanden, oder es fehlt den Familien an finanziellen Möglichkeiten. Daher nutzt die Kita Fördermittel, die sie als Einrichtung mit Besonderem Förderauftrag (BeFö) erhält, um den Kindern zusätzliche Angebote in der Einrichtung zu machen. BeFö ist ein Projekt der Stadt Frankfurt, das darauf abzielt, die Chancengleichheit von Kindern und Familien in sozial benachteiligten Stadtteilen zu verbessern. So kam bis vor zwei Jahren die Musikschule wöchentlich ins Haus. Aktuell sind es Vertretende des „Projekts Sportsfreunde“, damit die Drei- bis Sechsjährigen die Möglichkeit haben, Sport zu machen und verschiedene Sportarten auszuprobieren. „Wir haben in den zehn Jahren vieles aufgebaut. Wir blicken auf ein Jahrzehnt voller Ereignisse, Herausforderungen und gemeinsamer Erfolge zurück. Wir sind jetzt etabliert und routiniert und werden uns immer weiterentwickeln“, zieht Leiterin Michelle Schröder ein positives Fazit der ersten zehn Jahre und lässt sie zugleich zuversichtlich nach vorne schauen.
Text: Sonja Thelen / Fotos: BVZ-Kita Riederfüchse


