Von der „kleinen Elbphilharmonie“ zum Klanghafen!

Aktuelles

20.11.2025

Es war ein herausfordernder und langwieriger Weg, bis vor zehn Jahren die neu gebaute Krabbelstube „Klanghafen“ im neuen Wohnviertel an der Oskar-von-Miller-Straße im Ostend endlich eröffnen konnte. Fünf Jahre hatte der Bau gedauert. Zahlreiche Pannen hatten die Fertigstellung verzögert. Doch im November 2015 konnte die zweigeschossige Einrichtung endlich ihre Pforten öffnen und wird seither ihrem Namen „Klanghafen“ vollauf gerecht. 

Von der „kleinen Elbphilharmonie“ sei hinter vorgehaltener Hand schon die Rede gewesen angesichts der Pannenserie, die den Bau seit seinem Beginn 2010 begleitet hatte. Das hatte eine Frankfurter Tageszeitung noch wenige Monate vor der Eröffnung der Krabbelstube im November 2015 geschrieben. So verzögerten unter anderem Wasserschäden an der Holzdecke, Mauerreste im Erdreich oder ein nicht-kleinkindgerechter Belag im Außenbereich, der ausgetauscht werden musste, die Fertigstellung der Krabbelstube um Jahre. Ursprünglich sollte die Kita in dem neu errichteten Wohnquartier an Weseler Werft bereits im Sommer 2012 aufmachen. Viele Familien warteten im neuen Wohnviertel und in der Nachbarschaft auf die dringend benötigte Kita mit ihren 60 Betreuungsplätzen für unter Dreijährige. „Und wurden immer wieder vertröstet“, erzählt Melanie Halbach, die seit November 2019 den „Klanghafen“ leitet. Zuvor hatte sie bei der BVZ die Kita am Klinikum Höchst aufgebaut und geleitet.

Im November 2015 konnte der komplett barrierefrei gestaltete „Klanghafen“ endlich eröffnen und mit Leben gefüllt werden. Sophie Geibel leitete zunächst die inklusiv ausgerichtete Einrichtung. Sukzessive wurden die fünf Gruppen in dem zweigeschossigen Gebäude eröffnet. Der Namen „Klanghafen“ war nicht zufällig gewählt: Schließlich liegt der Main in Sichtweite. Von den großen Fenstern und vom zwei Ebenen umfassenden Außengelände aus können die Kinder die Schifffahrt auf dem Fluss beobachten. Zudem grenzt die Kita an das Freizeitareal von Weseler und Ruhrorter Werft: Die historischen Hafenkräne, die heute dort Eyecatcher sind, sind Relikte aus der Zeit, als sich der Osthafen noch bis an diese Stelle ausdehnte.

Und nur wenige Meter von der Krabbelstube entfernt, befindet sich die traditionsreiche Frankfurter Musikakademie Dr. Hoch’s Konservatorium. Seit seinen Anfängen zeichnet ein musikalischer Schwerpunkt in der pädagogischen Arbeit den Klanghafen aus. „Wegen unseres musikalischen Ansatzes haben wir einen hohen Zuspruch durch die Familien aus unserem Umfeld“, berichtet Melanie Halbach und erklärt: „Kinder entwickeln über Musik Spaß, Freude, Neugier. Musik fördert ihre Sprachentwicklung, ihre Interaktionen mit anderen und die Kognition.“

Um Musik noch mehr in die pädagogische Arbeit zu integrieren, hatte der Klanghafen schon vor Jahren die Idee von einer Zusammenarbeit mit dem Dr. Hoch’s Konservatorium. Doch die Corona-Pandemie machte dieser zunächst einen Strich durch die Rechnung. Aber zum Glück nur vorerst. Seit knapp zwei Jahren läuft ein innovatives Musikprojekt zwischen Krabbelstube und Konservatorium. „Das ist eine wirklich einzigartige Kooperation“, betont Melanie Halbach. Sie hat zum Ziel, schon im Krabbelstubenalter Musik im Leben der Kinder und ihrer Familien zu etablieren. Um das zu erreichen, ist das Projekt auf verschiedenen Ebenen aktiv. Einmal die Woche kommt die Musikpädagogin und Projektleiterin Lea Wohlstein für den gemeinsamen „Singkreis“ in die Einrichtung. In zwei jeweils 20-minütigen Sessions erleben die Kinder, was Musik bei ihnen bewirkt – auch im Miteinander. Sie bewegen sich kreativ zu den Klängen, fühlen Rhythmus und Melodie. Auch die Sinne werden angesprochen. Durch diese Zusammenarbeit ist „am Konservatorium ein Musiknachmittag entstanden, der nur von Klanghafen-Eltern belegt ist“. Studierende der Musikakademie sind durch die Kooperation auch zu anderen Anlässen im Klanghafen: Sie musizieren bei dem ein oder anderen Fest, das die Krabbelstube feiert.  „Das war ein ganz anderes Gefühl, als der Kontrabass bei unserer Nikolausfeier ertönte“, erzählt Melanie Halbach lachend.

Aber auch ansonsten ist die Elternarbeit „sehr zugewandt. Wir haben schon einen sehr guten Ruf in der Nachbarschaft“, sagt die Leiterin nicht ohne Stolz. Die Nachbarschaft: „Die ist sozial vielfältig“, so Melanie Halbach.  Das kulturell sowie von den Geschlechtern bunt gemischte gut 30-köpfige Team, „inklusive unserer Hauswirtschaftskräfte und einer tollen Köchin, die frisch und lecker kocht“, schätzt ein achtsames und respektvolles Miteinander, das es den Kindern vorlebt. Des Weiteren schreibt der Klanghafen das Thema Ausbildung groß. „Wir haben immer viele Auszubildende. Allein im Jahr 2024 hatten wir fünf, in jeder Gruppe eine oder einen. Wir verstehen uns als Ausbildungsbetrieb und haben zuletzt drei Azubis übernommen“, berichtet die Leiterin und betont: „Wir müssen als Einrichtung immer offen bleiben für neue Impulse. Daher ist es wichtig, an der Nachwuchsförderung in unseren Berufen und dem Ausbau mitzuwirken“.  Sie zieht zum zehnjährigen Bestehens der Krabbelstube ein rundum positives Fazit: „Der Klanghafen befindet sich in einem guten Fahrwasser.“

Text: Sonja Thelen / Fotos: BVZ-Kita Klanghafen