Mini-Küken-Farm zwischen den Türmen

Aktuelles

27.11.2025

Dass Eier nicht einfach aus dem Supermarkt kommen oder auf dem Wochenmarkt gekauft werden, sondern von Hennen gelegt werden, ist den Kindern aus der Kita Zwischen den Türmen, die von der gemeinnützigen BVZ GmbH, Frankfurts großen freien Kita-Träger, als Betriebs-Kita betrieben wird,  bestens bekannt. Sie wissen, was passiert, wenn ein befruchtetes Ei ausgebrütet wird: Dann schlüpft ein Küken. Das haben sie hautnah erlebt: In dem Küken-Projekt, das Leiter Francesco Di Marco zum bereits fünften Mal in der Westend-Einrichtung organisiert hat.

Die Küken sind los in der Kita „Zwischen den Türmen“. Zumindest in der großen Kiste unten im Erdgeschoss im Bewegungsraum. Dort tummeln sich aktuell 14 flauschige dieser „Federbälle“. Sie piepsen, gackern und flattern vor sich hin – bei angenehmen 23,8 Grad. Auf diese Temperatur ist die Wärmeplatte eingestellt, damit es dem jungen Gefieder gut geht. Noch bis Mitte Dezember verbleiben die 14 Küken in der Kita in der Klüberstraße. „Danach bringe ich sie zurück zu meiner Bekannten, die sich neben anderen Tieren in ihrem Garten auch ein paar Hühner hält“, berichtet Francesco Di Marco. Eingezogen waren sie Ende Oktober: damals noch als Eier.

Zum bereits fünften Mal hat der Leiter der Kita “Zwischen den Türmen” das Küken-Projekt organisiert. Die Idee dazu kam ihm, als Kinder aus seiner Einrichtung ihn fragten, woher denn eigentlich die Eier kämen, die es beim Frühstück in der Kita gebe? Aus dem Supermarkt, wo die Eltern beim Wocheneinkauf Eierkartons in den Einkaufswagen legen? „Ich sagte mir dann, hier besteht Aufklärungsbedarf. Es sind ja schließlich behütete Stadtkinder, die nicht viel vom Landleben, Landwirtschaft und Hühnerzucht wissen“, erzählt Franceso Di Marco. Doch er beließ es nicht bei einem bloßen Ausflug zu einem Bauernhof, sondern entschied, daraus das Projekt „Rund ums Ei“ vor allem für die Vorschulkinder der Kita zu konzipieren, an dem aber letztendlich alle in der Einrichtung partizipieren und davon profitieren. Seine Idee: Die Kinder sollten live erleben, was mit einem Ei passiert, wenn es ausgebrütet wird und sich auf verschiedenen Ebenen damit befassen. „Aber mir war natürlich klar, dass ich keine Hühner für die Kita zulege, die die Eier ausbrüten“, erzählt der Erzieher lachend. Aber besagte Bekannte stellte ihm einen Inkubator zur Verfügung, in dem Bedingungen herrschen, die ein Ei zum Heranwachsen eines Kükens benötigt.

Ende Oktober holte Francesco Di Marco bei der Bekannten 20 Eier. Gemeinsam mit den Kindern kamen diese in der Kita in den „Inkubator“ und sie erfuhren haarklein, wie das Brüten nun funktioniert. „Von da an dauert es in der Regel 21 Tage, bis die Küken schlüpfen“, erklärt der Kita-Leiter. Während der Brutzeit müssen in dem Inkubator in den ersten 18 Tagen konstant 55 Prozent Luftfeuchtigkeit und fortwährend eine Temperatur von 37,5 Grad herrschen. Während der Zeit schauen die Vorschulkinder regelmäßig vorbei, verfolgen erste leichte Bewegungen in den Eiern, erfahren viel über „Henne und Ei“, und dass es die Küken „auch schön kuschlig und warm mögen, so wie Babys im Bauch ihrer Mutter“, veranschaulicht Francesco Di Marco. Sie malen Bilder, basteln und beobachten mit Hilfe einer Taschenlampe, wie das Küken unter der Eierschale heranwächst, sich bewegt. Nach dem 18. Tag wird die Luftfeuchtigkeit in der Brutmaschine auf 75 Prozent erhöht. Und ab diesem Zeitpunkt kann es sein, dass die ersten Küken anfangen zu schlüpfen. „Das ist für die Kinder so spannend. Das kann Stunden dauern. Sie sehen, wie die Küken mit ihrem Eizahn ein erstes Loch in die Schale piken und sich abmühen, die Schale immer weiter aufbrechen“ erzählt der Kita-Leiter: „Und irgendwann haben sie es geschafft. Dann liegen sie schwach und erledigt auf dem Bauch. Ihr Gefieder ist noch glitschig. Aber dann trocknen die Federn, werden weich und flauschig.“ Diesmal sind 14 Küken geschlüpft, die übrigen sechs Eier waren nicht befruchtet. Nach einem Tag wechseln die Frischgeschlüpften ihr Heim: Vom Inkubator geht es in die riesige Kiste, die die Kinder schön weich mit Stroh ausgelegt haben. In der Mitte steht eine große Wärmeplatte, unter der sich die Küken tummeln. Außer die Kinder kommen, um zu füttern: Sie füllen den Napf mit kleinen Schnipseln Obst, Gemüse, Körnern, Haferflocken „und auch gekochtes Ei. Das ist proteinreich, das mögen die Küken“, erklärt Francesco Di Marco. Noch bis Mitte Dezember bleiben die Küken in der Kita Zwischen den Türmen. „Dann bringe ich sie zu meiner Bekannten, wo sie einfach als Legehühner weiterleben können“, so der Kita-Leiter.

Sein Projekt „Rund ums Ei“ hat mittlerweile sogar „Schule“ gemacht. In der Rödelheimer Kita Westerbachstraße, wo Francesco Di Marco übergangsweise zusätzlich die Leitung innehatte, waren sie davon so begeistert, dass dort nun auch erstmals Küken ausgebrütet wurden und geschlüpft sind. 

Text: Sonja Thelen (UK) / Fotos: Francesco Di Marco & Sonja Thelen