„Kooperative Haltung und vertrauensvolles Miteinander“

Aktuelles

23.06.2026

Ihr zehnjähriges Bestehen feiert die Sindlinger Kita Kindervilla Farbenzauber in diesem Jahr. Im Interview mit der Unternehmenskommunikation lässt Leiterin Nicole Wiese die vergangenen Jahre Revue passieren.

Was waren die Gründe für die Gründung Eurer Kita vor zehn Jahren?

Es gab damals zu wenig Krabbelstuben- und Kindergartenplätze in Sindlingen, während der Bedarf bei den Eltern sehr hoch war. Vor allem Krippenplätze waren Mangelware. In Sindlingen leben bis heute viele Familien. Daher ergriff Tom Wieland, der damals der zuständige Regionalleiter war, die Initiative und gründete die Kindervilla Farbenzauber. Wir liegen mittendrin, am zentralen Kreisel, in der Nähe zu den Siedlungsbauten, die den Westen von Sindlingen prägen.

Wie waren die Anfänge?

Ursprünglich befand sich in unserem Gebäude, das aus den 1980er Jahren stammt, eine Elektrofirma. Der Umbau war daher baulich herausfordernd und dauerte über ein Jahr. Nach der Eröffnung wurden die Kinder sukzessive aufgenommen. Aber wir haben bis heute ein Problem mit eindringendem Wasser, was vermutlich an den Rohren im Haus liegt.  Über uns befinden sich noch zwei Wohnungen, die privat vermietet sind. Wir als Kita verteilen uns auf drei Geschosse: Im Untergeschoss sind der Bewegungsraum und die Küche, im Erdgeschoss die Krabbelstube und im ersten Stock Kindergarten, Büro und Team- und Elternräume.

Was sind die Leitlinien in Eurer pädagogischen Arbeit?

Wir arbeiten von Anfang an nach einem teiloffenen Konzept innerhalb der Altersgruppen drei bis sechs Jahre und zehn Monate bis drei Jahre. Durch den teilweise altersübergreifenden Ansatz können sich die Kinder, die von der Krabbelstube in den Kindergarten wechseln, leichter eingewöhnen. So sind sie zum Beispiel vormittags in der Frühgruppe von 7.30 bis 8.30 Uhr und nachmittags ab ca.15 Uhr alle zusammen. Ein weiterer Vorteil ist, dass alle aus dem Team überall einsetzbar sind. Zudem können sich Geschwisterkinder gegenseitig besuchen, zusammen frühstücken, spielen. Unser Eingewöhnungsmodell lehnt sich an das Berliner Model an: Wir legen den Fokus auf das Beziehungsdreieck mit Eltern, Fachkräften und Kind und nehmen uns dafür in der Eingewöhnung Zeit. Damit legen wir den Grundstein für unsere Elternarbeit. Ein weiterer zentraler Aspekt ist das situative Arbeiten mit dem Kind. Sie geben für die Eingewöhnung den Takt vor. Ebenso schreiben wir Partizipation und Mitbestimmung groß. Sie bestimmen beispielsweise was und wieviel sie essen möchten, ob drinnen oder draußen gespielt wird. Die Kindergartenkinder können entscheiden, ob es zum beispielsweise zum Spielplatz, Sportplatz von Viktoria Sindlingen oder zum nahen Mainufer geht.

Wie hat sich ansonsten Eure Einrichtung in den zehn Jahren entwickelt?

Tatsächlich hatten wir in der Kindervilla Farbenzauber viele Höhen und Tiefen, da auch die Leitung mehrfach gewechselt hat. Auch die Corona-Pandemie ging nicht spurlos vorbei, hatte viel Personalausfall und längere Erkrankungen zur Folge, sodass zwischenzeitlich Gruppen geschlossen werden mussten. 2023, als ich die Leitung übernahm, hatten wir wegen Personalmangel nur 1,5 von drei Gruppen geöffnet. Aber seither haben wir viel geschafft und aufgebaut. Seit 2024 sind wieder alle drei Gruppen geöffnet und alle Plätze belegt. Das macht uns stolz. Dafür haben wir viel getan, im Stadtteil über uns informiert, Flyer ausgelegt. Auch um neue Fachkräfte haben wir geworben, auf Instagram, an den Schulen. Stand heute sind wir ein zwölfköpfiges Team. All die Mühen haben sich gelohnt.

Wie wichtig ist Eure Einrichtung auch für den Stadtteil Sindlingen?

Unsere Kita ist im Stadtteil sehr wichtig. Der Bedarf vor allem an Kindergartenplätzen ist ungebrochen. Sindlingen ist nach wie vor ein Stadtteil, in dem viele Familien mit jüngeren Kindern leben. Bei uns stehen regelmäßig Eltern vor der Tür, die händeringend einen Platz suchen. Wir müssen sie leider abweisen und können nur Wartelisten führen. Hinzu kommt unsere Randlage: Wir sind an der Peripherie zum Main-Taunus-Kreis, dürfen aber nur Kinder aus Frankfurt aufnehmen. Jedoch fehlt es in den Nachbarkommunen im Main-Taunus-Kreis offenbar an Betreuungsplätzen, sodass Eltern von dort auch bei uns nachfragen.

Wie ist Eure Haltung, Zusammenarbeit im Team?

Unsere Haltung im Team ist sehr kooperativ und von einem vertrauensvollen Miteinander geprägt. Wir unterstützen uns gegenseitig. Bei uns herrscht immer ein lebendiger und respektvoller Austausch, auch über die Gruppen hinweg, was auch durch das teiloffene Konzept ermöglicht wird.

Wie gestaltet Ihr Eure Arbeit mit den Eltern?

Der Grundstein für unsere Arbeit mit den Eltern wird in der Eingewöhnung gelegt. In der Zeit entsteht die Vertrauensbasis, die essenziell für die Zusammenarbeit mit den Eltern ist. Wir pflegen mit den Eltern einen offenen, konstruktiven Umgang. Oft fragen sie uns nach Empfehlungen zu professionellen Beratungsinstitutionen. So arbeiten wir als Einrichtung zum Beispiel mit der Frühförderstelle Kess und der Lebenshilfe in Höchst zusammen.

Wie fällt Dein Rückblick aus? Wo siehst Du Eure Einrichtung heute und in Zukunft?

Vor allem nehmen wir alles mit Humor: Das ist unsere Grundhaltung, sonst geht das nicht. Wir haben es gemeinsam geschafft, in den vergangenen drei Jahren das Haus mit Personal und Kindern wieder aufzufüllen und haben uns so wieder einen guten Ruf in Sindlingen erworben. Ich hoffe auf weiterhin so toll motivierte Kolleg*innen, Kinder und Eltern. Wir sind auf einem guten Weg dahin.

Bildergalerie