25 Jahre Schülerladen Nordwest: Nah an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien
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Einer engagierten Elterninitiative ist es zu verdanken, dass im Jahr 2000 mitten im „Kleinen Zentrum“ in Niederursel der Schülerladen „Rasselbande“ eröffnet wurde – heute bekannt als Schülerladen Nordwest. Seit 2011 bildete der Schülerladen zusammen mit der Bunten Kita Nordwest und der Familienbildung Al Karama das „Kifaz Nordwest“ (Kinder- und Familienzentrum). Nach einer teilweise auch herausfordernden Zeit kann der Schülerladen Nordwest jetzt auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken.
Nah an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien: Das ist der roten Faden, der sich durch die Arbeit des Schülerladens Nordwest in Niederursel von seinen Anfängen an bis heute, 25 Jahre später, zieht. Im Jahr 2000 wurde der Schülerladen damals noch unter dem Namen „Rasselbande“ vom Verein zur Unterstützung berufstätiger Eltern gegründet, einer der späteren Gründungs- und Trägervereine von uns der gemeinnützigen BVZ. In den Unterlagen findet sich beispielsweise noch ein Bewilligungsbescheid vom August 2000, adressiert an Michael Burbach, über einen erheblichen Zuschuss.
Mit diesem wurden notwendige Umbaukosten, die Ausstattung der Räume sowie vor Inbetriebnahme Miet- und Personalkosten für die damals noch 32 Hortplätze in der neu zu eröffnenden Einrichtung finanziert. Heute verfügt der Schülerladen im Kleinen Zentrum an der Thomas-Mann-Straße über 56 Betreuungsplätze. Der Standort war damals wie heute „ein Quartier mit vielfältigen Problemlagen und durchaus herausfordernd“, sagt Jonas Bloch. Seit Ende 2022 leitet der 37-jährige Erzieher die Einrichtung, übernahm diese Funktion zu einem schwierigen Zeitpunkt. „Wir mussten uns personell neu aufstellen. Wir sind noch in der Aufbauphase, aber es ist seither bereits viel Positives geschehen: Das Miteinander hat sich stark verbessert, die Zusammenarbeit im Kifaz weiterentwickelt. Der Pfeil zeigt nach oben, wovon vor allem die Kinder und ihre Familien profitieren “, betont Jonas Bloch, der zuvor lange Jahre an der Waldorfschule im Dornbusch gearbeitet, ein Jahr lang ein Waldorflehrerseminar besucht und sich im Bereich Kinderschutz weitergebildet hat.
Die Kooperation mit der Bunten Kita Nordwest und der Familienbildung Al Karama im Kifaz-Verbund sind zentrale Pfeiler in der Arbeit des Schülerladens Nordwest. 2011 hat sich das Kinder- und Familienzentrum gegründet, „um ein Betreuungsangebot für alle Altersklassen vom Babyalter, über den Kindergarten bis zum Ende der Grundschulzeit bereitzuhalten und gleichzeitig den Familien vor Ort Beratung und Begleitung anzubieten. Zentral im Kifaz ist, dass die Einrichtungen nach dem Early Excellence Ansatz arbeiten“, erläutert Jonas Bloch.
Beim in den 1980er Jahren in England entwickelten „Early Excellence Ansatz“, den das Stadtschulamt Frankfurt seit Mitte der 2000er Jahre unterstützt, wird mit den individuellen Stärken und Potenzialen von Kindern gearbeitet, schon ab dem Kleinkindalter. Jedes Kind wird individuell gefördert, um Chancengleichheit zu ermöglichen. Kennzeichnend ist auch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Zudem ist das Kifaz und damit der Schülerladen eng im Stadtteil mit anderen Einrichtungen, Beratungsstellen, Vereinen, religiösen Gemeinden und Quartiersmanagement vernetzt, um Hilfe bieten zu können, und mit den beiden Grundschulen: Heinrich- Kromer- und Erich-Kästner-Schule.
Das Quartier, in dem sich der Schülerladen befindet, ist sehr vielfältig und von Herausforderungen geprägt: Migrationsgeschichten, Armut und schwierige Familienverhältnisse sind häufige Themen im Schülerladen. Insbesondere seit der Corona-Pandemie hat sich die finanzielle Situation in vielen Familien verschärft. Viele können sich die Betreuungskosten im Schülerladen nicht mehr leisten. In diesen Fällen kann die Stadt Frankfurt jedoch unterstützen. „Daher ist es wichtig, den Eltern zu vermitteln, wie entscheidend für die Entwicklung ihres Kindes seine Förderung durch das Kifaz und den Early Excellence Ansatz ist“, erklärt der Erzieher. Und so ist aus dem Grund der Schülerladen ein „offenes Haus: Die Eltern können jederzeit reinkommen. Wir pflegen mit ihnen ein vertrauensvolles Verhältnis. Wir unterstützen, führen zahlreiche Elterngespräche, bieten diese in verschiedenen Sprachen an und vermitteln weiter etwa zur Sozialberatung im Al Karama, die eine Lotsenfunktion wahrnimmt“.
Kennzeichnend in der Arbeit und im Miteinander – nach innen wie nach außen – seien „Offenheit und Respekt gegenüber allen Kulturen und Religionen: Ohne das kann man hier nicht arbeiten. Diese Grundsätze sind zudem Grundpfeiler der BVZ“, betont Jonas Bloch: „Ich schätze sehr die Menschlichkeit bei der BVZ. Das zeichnet sie gegenüber anderen Trägern aus.“
Auch wenn er selbst erst seit gut drei Jahren im Schülerladen Nordwest ist, sei es ihnen seither gemeinsam im Team gelungen, die Einrichtung nach turbulenteren Zeiten wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.
Für die Zukunft ist es ihm ein Anliegen, weiterhin angehende pädagogische Fachkräfte auszubilden. Bei der inhaltlichen Arbeit mit den Kindern sieht er „den Umgang mit den Medien und deren Konsum in der Pädagogik als größte Herausforderung. Vor allem im Grundschulalter geht es bei vielen richtig los. Es ist wichtig für die Kinder, über im Netz Erlebtes und Gesehenes zu kommunizieren“. So hat beispielsweise eine Gruppe aus dem Schülerladen Nordwest 2023 bei der Landesbildstelle an einem Projekt teilgenommen und ein kurzes Video gedreht. „Wir möchten einen altersgerechten Umgang mit den Medien vermitteln und die Eltern dabei mitnehmen. Sie sollten stets einen kritischen Blick auf ihren eigenen Medienkonsum haben, um sich und ihre Kinder zu schützen. Viele achten nicht darauf, was ihre Kinder konsumieren oder beachten die Altersempfehlungen überhaupt nicht.“
Um die Kinder für digitalen Medien und deren Konsum zu sensibilisieren, gibt es freitags im Schülerladen einen „Medientag“, an dem adäquate Film angeschaut werden oder selbst Stop-Motion-Filme selbst produziert werden. „Wir möchten ihnen Kompetenzen vermitteln, damit sie diese einsetzen und ihren persönlichen Umgang kritisch hinterfragen.“
Aber auch das handwerkliche Arbeiten nimmt im Schülerladen einen großen Stellenwert ein. „Gemeinsam mit Ricci Cue Gomez entdecken sie in der Werkstatt ihre eigene Kreativität, auch unabhängig von traditionellen Geschlechterrollen, die zum Teil in ihren Familien gelebt werden.“
Die Kids im Schülerladen seien sehr „selbstbewusst, resilient und schon richtige Charaktere“, sagt der Leiter anerkennend. Angesichts des 25-jährigen Bestehens des Schülerladens zeigt sich Jonas Bloch zuversichtlich: „Wir haben viel geschafft. Wir bieten den Familien und Kindern im Quartier die Beständigkeit, die sie hier im Sozialraum brauchen.“
Text & Fotos: Sonja Thelen (UK)


