10 Jahre Lenau & Lortz: Ankommen dürfen, statt loslassen müssen

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19.05.2026

Ihren zehnten Geburtstag feiert die Krabbelstube Lenau & Lortz aus dem Nordend in diesem Frühjahr. Anlass auf zehn erste aufregende Jahre zurückzublicken, und zwar im Gespräch mit Leiterin Claudia Schüller, die die Einrichtung mitaufgebaut hat.

Was waren die Gründe für die Gründung Eurer Krabbelstube vor zehn Jahren?

Die angrenzende Glauburgschule wurde zur Dependance der Berta-Jourdan-Schulen. Da die Erwachsenen den Schulhof in der Größe nicht mehr benötigten, kann man auf die Idee, den Platz für eine Kindertagesstätte zu nutzen. Und zwar auf der an der Stelle neu entstehenden Quartiersgarage. Ursprünglich sollte unsere Krabbelstube 2014 fertig werden. Allerdings verzögerte sich der Termin, da Anwohnende Widerspruch gegen den Bau der Garage eingelegt hatten. So mussten hierfür Bäume gefällt werden, was auf Protest stieß. Zum Ausgleich wurde aber unser Dach begrünt, und in der Lortzingstraße entstanden Nachbarschaftsgärten. Heute sind wir im Quartier fest etabliert und eng mit der Nachbarschaft verbunden.

Wie waren die Anfänge?

Die waren schon herausfordernd. Unsere Eröffnung mussten wir mehrmals verschieben. Unter anderem hatten unsere Brandschutztüren nicht funktioniert. Dabei lief bereits unsere Anmeldephase. Wir mussten kurzfristig einigen Familien absagen. Da die Kita quasi noch eine Baustelle war, führten wir Personal- und Einstellungsgespräche in einem nahen Café. Ab Februar 2016 durften wir endlich das Gebäude betreten, um Möbel zu bestellen. So anstrengend das alles war, hat diese Zeit auch Spaß gemacht. Ich habe in der Zeit viel gelernt über Organisation, um die Ecke denken und über verschiedene Gewerke am Bau. Was toll war: Da in der Zeit bei der BVZ mehrere Einrichtungen am Eröffnen waren, haben wir uns in einer ‚Pioniergruppe‘ ausgetauscht über Möbelbestellung oder Handwerker. Das war hilfreich.

Wie ging es schließlich los?

Es war eine interessante Zeit. In der Nähe, in der Egenolffstraße 4a wurde eine andere Einrichtung wegen Baumängel aufgelöst. Sieben Kinder von dort kamen zu uns. Die Gruppen wurden nach und nach eröffnet. Heute hat unsere Krabbelstube fünf Gruppen mit 60 Plätzen. Wir sind gut ausgelastet. Was am Anfang auch schwierig war: Wir konnten in unseren Räumen nicht telefonieren. Nur draußen mit dem Handy. Manchmal hatte ich erst auf der Glauburgstraße Empfang. Ursache hierfür ist die Feuchtigkeit im Gebäude, da es ein Passivhaus-Bau ist. Bis heute haben wir Probleme mit dem Wlan.

Wie sind die Leitlinien in Eurer pädagogischen Arbeit? Wie haben sie sich verändert?

Wir lassen keine Erziehung walten, sondern begleiten die Kinder. Das ist unsere Haltung. Vor allem die Eingewöhnung hat sich sehr verändert: Ankommen dürfen, statt loslassen müssen. Das dauert eventuell länger. Darauf müssen sich die Eltern einstellen. Dann ist die Eingewöhnung für das Kind viel entspannter. Wir erklären den Eltern anschaulich, dass es ein Prozess ist, der step  by step geht. Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das Eingewöhnen und Ankommen in der Krabbelstube legen den Grundstein für weitere Anfänge im Leben: sei es im Kindergarten, in der Schule. Wichtig ist, dass das Kind kein Verlassenheitsgefühl spürt, sondern vielmehr ‚Ich bin neu, aber jemand kümmert sich.‘ Diese Erfahrung sollen die Kinder hier machen dürfen.

Wie hat sich ansonsten Eure Einrichtung in den zehn Jahren entwickelt?

Wir haben die Räume im Laufe der Zeit angepasst. Die Flure sind Orte, wo sich die Kinder gruppenübergreifend begegnen können. Auch können sie die Räume tauschen. Heute sind wir doppelt so viele Mitarbeitende als zu Beginn. Wir haben viele Teilzeitkräfte, was in unserer Branche nun mal üblich ist. Rückkehrende nach Elternzeit arbeiten meist reduziert. Aktuell sind wir 34 Mitarbeitende, inklusive der Hauswirtschaftskräfte und studentischen Zusatzkräfte. Für mich als Zuständige im Personalmanagement steigt damit die Verantwortung. All das bindet Zeit.

Was bedeutet die Lage mitten im Nordend für Eure Einrichtung?

Wir verspüren hier immer ein angenehmes Inselfeeling. Unser Viertel ist von akademisch gut gebildeten Menschen geprägt. Unsere Eltern sind sehr zugewandt, interessiert und aufgeschlossen, was eine gute Basis für einen guten Austausch ist.

Wie ist Eure Haltung, Zusammenarbeit im Team? 

Wir haben uns miteinander sehr gut weiterentwickelt. Unsere gruppenübergreifende Arbeit möchten wir weiter ausbauen. Im Team gehen wir verlässlich miteinander um, stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Das ist daran zu sehen, dass zwölf Kolleg*innen von Beginn an dabei sind. Die Corona-Pandemie hat uns geprägt und unsere Kollegialität gestärkt. Wir sind achtsamer.

Wie gestaltet Ihr Eure Arbeit mit den Eltern?

Wir versuchen eine Erziehungspartnerschaft zu leben. Wir führen oft kurze Übergabegespräche. Das Kind muss im Mittelpunkt stehen. Wie gestalten wir den Weg dahin? Das erklären wir regelmäßig den Eltern und sagen ihnen auch, dass es schwer für ein kleines Kind sein kann, den ganzen Tag in der Krabbelstube zu bleiben. 

Du bist seit Anfang dabei: Wie fällt Dein Rückblick aus? Wo siehst Du Eure Krabbelstube in der Zukunft?

Es war sehr spannend und herausfordernd, eine Kita vom Rohbau bis heute mitzugestalten. Ich habe viel Unterstützung in der Zeit erfahren: von den Kolleg*innen, den Gewerken und vom Träger. Die Kita hat heute einen sehr guten Ruf im Quartier, bei Kindern und Eltern, was uns froh macht. Wir haben viele Anmeldungen, wenngleich die Zahlen an sich im U3-Bereich zurückgehen. Das müssen wir im Blick haben und uns bei Bedarf überlegen, Kindergartengruppen zu gründen.